Justice for Pedro Banner

Unbestreitbares institutionelles Versagen – dokumentiert von Behörden und Wissenschaft selbst

Diese Quellen stammen nicht von Aktivist:innen. Sie stammen aus Wissenschaft, Parlament, Medizin und staatlichen Institutionen.

1. Der lagebedingte Erstickungstod – ein bekanntes Risiko, das ignoriert wird

  • Thomas Feltes & Wolfgang Mallach: Der lagebedingte Erstickungstod. Ein bekanntes, aber unterschätztes Problem. In: Polizei & Wissenschaft, Ausgabe 3/2024, S. 39–52.
    Feltes ist einer der renommiertesten Polizeiforscher Deutschlands. Die Botschaft seines Artikels: Die Gefahr des lagebedingten Erstickungstods bei Fixierungen in Bauchlage ist bekannt – und wird trotzdem ignoriert.
  • Thomas Feltes & Wolfgang Mallach: Der Lagebedingte Erstickungstod (LET) im Polizeialltag. In: Staller/Körner (Hrsg.): Handbuch Einsatztraining: Professionelles Konfliktmanagement für Polizistinnen*. Springer-Verlag, 2021.
    Dieselbe Problematik in einem offiziellen Ausbildungshandbuch für Polizei.
  • PMC / NIH: Treatment algorithm: prone position in critically ill patients. (Webseiten-Snippet, PubMed Central)
    Medizinischer Forschungsstand: Bauchlage bei bewusstseinsveränderten, sedierten oder fixierten Personen ist ein anerkanntes Hochrisikoprotokoll – in der Intensivmedizin nur unter kontinuierlicher Überwachung zulässig.
  • Gareth Joswig: Tod im Polizeigewahrsam: Lagebedingtes Systemversagen. In: taz.de, 23.05.2020. → taz.de
    Journalistische Aufarbeitung: Das ist kein Einzelfall, sondern ein Systemversagen.
  • Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Todesfälle im Polizeigewahrsam von 1993–2003 in Deutschland. (Bibliotheksdatenbank-Snippet)
    Wissenschaftliche Erfassung: Wie viele Menschen sterben in Deutschland in Polizeigewahrsam – und warum bleibt es meist folgenlos?
  • Anonym: Der lagebedingte Erstickungstod in Polizeigewahrsam: Pathophysiologische Mechanismen, kriminologische Analysen und Reformkonzepte für unabhängige Ermittlungsstrukturen. (Zusammenfassendes Markdown-Dokument)
    Fachliche Zusammenfassung der Mechanismen und ihrer rechtlichen Konsequenzen.
  • Michael Stang: Tod in Obhut des Staates – Wenn Menschen in der Haft sterben. Deutschlandfunk, 18.09.2015.
    Öffentlich-rechtliche Berichterstattung: Auch Deutschlandfunk dokumentiert das Muster.

2. Psychiatrie und Zwang – die eigene Fachwelt zweifelt

  • DGPPN S3-Leitlinie: Verhinderung von Zwang – Prävention und Therapie aggressiven Verhaltens bei Erwachsenen, 2018. KostenlosPDF herunterladen
    Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie: Fixierung ist das allerletzte Mittel, mit klaren Voraussetzungen. Wenn diese nicht eingehalten wurden, liegt eine Leitlinienverletzung vor – dokumentiert von der eigenen Fachgesellschaft.
  • Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer: Zwangsbehandlung bei psychischen Erkrankungen. Stellungnahme, 2013. KostenlosPDF herunterladen
    Jede Zwangsmaßnahme ist ein schwerwiegender Eingriff – so die offizielle Position der Bundesärztekammer.
  • Universitätsklinik Berlin / Charité: Studienergebnis: „Es gibt keine hinreichenden Beweise für die Effektivität [von Fixierungen und Zwangsmaßnahmen].“Dissertation, FU Berlin
  • Notfallguru: Psychiatrische Notfälle. Online-Leitfaden, Stand: 17.06.2026.
    Fachliche Grundlagen zur Einschätzung psychiatrischer Notfallsituationen.
  • Aktion Psychisch Kranke (APK): Gewalt und Zwang in der stationären Psychiatrie. KostenlosPDF herunterladen
    Offizieller Befund: „Die Psychiatrie stellt neben einer therapeutischen Disziplin auch einen Teil der staatlichen Gewalt dar.“

3. Keine unabhängige Kontrolle – dokumentiert vom Bundestag selbst

  • Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Unabhängige Polizeibeauftragte in den Ländern. Sachstand WD 3 – 3000 – 057/22, 2022.
    Das Parlament selbst stellt fest: Deutschland hat im EU-Vergleich keine funktionierende unabhängige Polizeikontrolle.
  • Deutscher Bundestag: Der Polizeibeauftragte des Bundes beim Deutschen Bundestag. Online-Angebot des Deutschen Bundestages, Stand: 24.06.2026.
    Aktueller Stand der Debatte direkt vom Bundestag.
  • Eric Töpfer & Tobias Peter (Deutsches Institut für Menschenrechte): Unabhängige Polizeibeschwerdestellen. Was kann Deutschland von anderen europäischen Staaten lernen? Berlin: DIMR, 2017. KostenlosDIMR-Webseite
  • Cengiz Barskanmaz: Expertise Polizei und Beschwerdestellen. Eingereicht am 11. April 2024 für die Koordinierungsstelle zur Umsetzung der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft.
    Rechtswissenschaftliche Einschätzung im Kontext von Rassismus und Beschwerdestrukturen.
  • Hartmut Aden: Polizeibeauftragte und Beschwerdestellen in Deutschland. Erfolgsbedingungen und neue Trends in den Ländern. In: vorgänge Nr. 204, 2013, S. 5–17.
  • Amnesty International Deutschland: Stellungnahme zum Gesetzentwurf für unabhängige Polizeibeauftragte, 2023. amnesty.de
  • Schweizerischer Bundesrat: Evaluation der Destabilisierungsgeräte. Bericht des Bundesrates, 2010.
    Amtliche Evaluation zum Umgang mit Gewaltmitteln durch Sicherheitsbehörden.


Regionale Berichterstattung
– was Lokalmedien berichten (und was sie verschweigen)

  • Florian Holler: Vorwurf der Polizeigewalt: Kölner Staatsanwaltschaft widerspricht Kritik an Einsatz in Deutz. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 29.04.2026.
    Die Staatsanwaltschaft Köln verteidigt den Polizeieinsatz, bei dem Pedro schwerste Hirnschäden erlitt – ohne unabhängige Untersuchung, ohne die Perspektive von Pedros Familie oder Augenzeugen.
    → Klassisches Muster: Lokalpresse gibt Behördenaussagen unkritisch wieder.
  • Konrad Litschko: Studie zu Polizeigewalt: Weshalb Fälle ungeklärt bleiben. In: taz.de, 16.05.2023.
    Strukturanalyse: Warum Fälle wie Pedros systematisch im Sand verlaufen.
  • Daniel Zühlke: Polizeiliche Fehlerkultur – Progressivität im strafrechtlichen Korsett? In: KriPoZ 4/2021.
    Wissenschaftlicher Artikel: Warum Polizist:innen strafrechtlich kaum zur Rechenschaft gezogen werden können – und welche Reformen das ändern müssten.


Strukturelle Hintergründe – Bücher und Forschung

1. Polizeigewalt und Rassismus in Deutschland

  • Daniela Hunold & Tobias Singelnstein (Hrsg.): Rassismus in der Polizei: Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme – Springer VS, 2022. ISBN 978-3-658-37132-6. Open AccessKostenlos herunterladen
    Über 700 Seiten interdisziplinärer Forschung. Das Standardwerk zum Thema.
  • Jan Keuchel & Christina Zühlke: Tatort Polizei. Gewalt, Rassismus und mangelnde Kontrolle – C.H. Beck, 2021. ISBN 978-3-406-77495-9.
    Investigativ und zugänglich. Gut als Einstieg geeignet.
  • Benjamin Derin & Tobias Singelnstein: Die Polizei – Helfer, Gegner, Staatsgewalt – Econ, 2022.
  • Markus Textor: Racial Profiling und Polizeigewalt – Transcript Verlag, 2023. ISBN 978-3-8376-6804-9. Mehr Infos
  • Rafael Behr: Cop Culture – Der Alltag des Gewaltmonopols – VS Verlag, 2008.
    Klassiker zur Polizeikultur: Warum Gewalt intern als normal gilt.
  • Thomas Feltes & Holger Plank (Hrsg.): Rassismus, Rechtsextremismus, Polizeigewalt – Verlag für Polizeiwissenschaft, 2021. ISBN 978-3-86676-678-5.
  • Giorgiana Banita: Phantombilder. Die Polizei und der verdächtige Fremde – Edition Nautilus, 2023.
    Von Oury Jalloh bis George Floyd – und wie Medien den „verdächtigen Fremden“ konstruieren.
  • Aiko Kempen: Auf dem rechten Weg? Rassisten und Neonazis in der deutschen Polizei – Europa Verlag, 2021.
  • Heike Kleffner & Matthias Meisner: Extreme Sicherheit: Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz – Herder, 2019.
  • Oliver von Dobrowolski: „Ich kämpfe für eine bessere Polizei“ – S. Fischer, 2022.
    Geschrieben von einem Kriminalhauptkommissar – nicht von außen, sondern von innen.

2. Rassismus in Staatsanwaltschaft und Justiz

  • Deutsches Institut für Menschenrechte: Rassismus in der Strafverfolgung – Von der Notwendigkeit struktureller Veränderungen, 2023. KostenlosPDF herunterladen
  • Universität Marburg: Institutioneller Rassismus in Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden – Working Paper, 2018. KostenlosPDF herunterladen
  • Tagesschau (Investigativ): Wie zeigt sich Rassismus in der Justiz? → tagesschau.de
  • Justiz und institutioneller Rassismus (JuRa) – Laufendes Forschungsprojekt, Universität Köln. → Projektseite
  • ReachOut Berlin: Wie schwer wiegt Rassismus in Zusammenhang mit Justiz? KostenlosPDF herunterladen
  • Leonie Jantzer: Geflüchtete und Polizist:innen. Deutungen und Praktiken von Sicherheit im Alltag. Bielefeld: transcript Verlag (Edition Politik, Band 196), 2026. Zugl. Dissertation, Leuphana Universität Lüneburg.

3. Vergleichsfälle – das Muster ist nicht neu

  • Fall Oury Jalloh: Ein Mann stirbt 2005 gefesselt in einer Polizeizelle in Dessau. Jahrelang werden Ermittlungen eingestellt. Ein parlamentarischer Untersuchungsbericht belegt 2020 Rechtsbrüche der Polizei und Lügen gegenüber dem Parlament. → taz, 29.08.2020
    Muster: Polizeigewalt → Staatsanwaltschaft schützt → Parlament wird belogen → Öffentlichkeit erfährt jahrelang nichts.
  • Toluse Olorunnipa & Robert Samuels: I can’t breathe. George Floyds Leben in einer rassistischen Welt – S. Fischer, 2022. ISBN 978-3-10-397148-4.
    Der internationale Vergleichsfall – und was er über institutionelle Strukturen sagt, nicht nur über Einzelpersonen.

4. Internationale Perspektiven

  • Alex Vitale: The End of Policing – Verso, 2017.
  • Paul Butler: Chokehold: Policing Black Men – The New Press, 2017.
  • Angela Davis (Hrsg.): Policing the Black Man – Pantheon Books, 2017.
  • Daniel Loick & Vanessa E. Thompson (Hrsg.): Abolitionismus: Ein Reader – Suhrkamp, 2022.
  • Michelle Alexander: The New Jim Crow – The New Press, 2012.


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