Fragen & Antworten – Was ist mit Pedro passiert?
Viele Menschen haben Fragen zu dem Polizeieinsatz vom 8. April 2026 in Köln-Deutz, bei dem Pedro einen hypoxischen Hirnschaden erlitt und seitdem im Koma liegt. Diese Seite beantwortet die häufigsten Fragen – sachlich, auf Grundlage von Zeugenberichten, dem Krankenhausbericht, WDR/Westpol-Recherchen und weiteren öffentlichen Quellen.
Pedro Corona kommt aus Venezuela und arbeitet als Erzieher in Köln. Er ist in der Stadt für seine herzliche und fröhliche Art bekannt. Sein Partner Julian beschreibt ihn als „den lebensfrohen, lustigen Pedro“.
Am 8. April 2026 befand er sich in einer psychischen Krisensituation: Er war zwar paranoid, verhielt sich laut Zeugenberichten aber ruhig, höflich und orientiert.
Seit dem Polizeieinsatz liegt Pedro im Koma mit schweren Hirnschäden. Maschinen halten ihn am Leben. Ob er je wieder erwacht, ist ungewiss.
Laut Zeugen war Pedro zu Beginn des Abends ruhig, höflich und orientiert – trotz einer psychischen Krise. Drei Sanitäter und ein Notarzt sprachen jeweils 20–30 Minuten mit ihm und sahen keinen Grund für eine Zwangseinweisung.
Dieser „Stoß“ wurde nachträglich als Rechtfertigung für die Zwangseinweisung verwendet – obwohl weder Notarzt noch Sanitäter zuvor eine Gefährdung festgestellt hatten.
Die Staatsanwaltschaft behauptet, ein späteres Drogenscreening sei „unter anderem positiv auf Amphetamin und Kokain“ ausgefallen. Außerdem sei Pedro 2025 bereits wegen einer Psychose behandelt worden und habe „offenbar häufiger Drogen“ konsumiert.
Wichtig: Ein Drogenscreening im Nachhinein sagt nichts darüber aus, ob Pedro zum Zeitpunkt des Einsatzes akut unter Drogeneinfluss stand. Außerdem erklärt kein Drogenkonsum, warum Pedro massive Blutergüsse an Rücken, Nacken und Armen hatte – und warum er 23 Minuten reanimiert werden musste.
Die Initiative kritisiert, dass hier nachträglich ein Bild des „Junkies“ konstruiert wird, um von den eigentlichen Fragen des Einsatzes abzulenken.
Quelle: Pressekritik Initiative Justice for Pedro (2026); Interview Perspektive Online (Mai 2026)Pedro liegt seit dem Polizeieinsatz im Wachkoma. Er hat eine schwere Hirnschädigung erlitten, verursacht durch Sauerstoffmangel (Hypoxie) während der Fixierungsmaßnahmen. Maschinen halten ihn am Leben.
Pedro ist 30 Jahre alt. Er kam vor 6 Jahren aus Venezuela nach Köln, wo er als Erzieher arbeitete und für seine Lebensfreude bekannt war.
Quelle: WDR/Westpol, Juni 2026; ärztliche DiagnoseLaut dem Befund der Uniklinik Köln waren mindestens 6 Beamte an der Fixierung beteiligt. Julians Schilderung spricht von 7 Beamten gleichzeitig auf Pedro. Der Anwalt bezieht sich auf ca. 10 Beamte insgesamt beim Einsatz.
Laut Westpol-Recherchen lag Pedro fast 20 Minuten in Bauchlage, an Armen und Beinen gefesselt – eine Tatsache, die in der ursprünglichen Darstellung der Staatsanwaltschaft nicht erwähnt wurde.
Erst als Westpol die Staatsanwaltschaft mit diesen Recherchen konfrontierte, ruderte sie zurück: Statt „keine Anhaltspunkte“ hieß es nun, man gleiche die öffentlich bekannt gewordenen Tatsachen mit den vorliegenden Erkenntnissen ab.
Quelle: WDR/Westpol, Juni 2026; Anwalt Simon Barrera-GonzalezPedro befand sich in einer psychischen Krise. Seine Freunde Lucas und Leonie riefen vorsorglich den Rettungsdienst. Drei Sanitäter und ein Notarzt sprachen mit Pedro – keiner sah eine Notwendigkeit zur Einweisung. Pedro wollte allein gelassen werden.
Als er seinen Freund Lucas sanft aus der Tür schob und die Tür schloss, rief der Notarzt die Polizei. Es folgte ein 90-minütiger Polizeieinsatz in Pedros Wohnung, während Lucas und Leonie – die seine Sprache sprechen und ihn beruhigen hätten können – nicht hineingelassen wurden.
Am Ende des Einsatzes wurde Pedro mit einer Spuckmaske mit dem Gesicht nach unten aus dem Gebäude getragen. Zeugen berichten, sein Körper sei bereits blau angelaufen gewesen. Er musste reanimiert werden.
Pedro liegt seitdem im Koma und hat einen schweren hypoxischen Hirnschaden.
Quelle: Zeugenbericht, Krankenhausbericht, Kölner Stadt-Anzeiger (Mai 2026)Das ist eine der zentralen offenen Fragen. Psychiatrisches Pflegepersonal – deutlich weniger ausgerüstet als Polizeibeamte in Schutzausrüstung – schafft es laut Fachleuten, Patienten in akuten Krisen in der Regel innerhalb von 5 Minuten sicher zu fixieren.
Dass es 90 Minuten dauerte und mit einem klinischen Tod endete, legt nahe, dass der Einsatz nicht den Standards einer deeskalativen Fürsorge entsprach.
Eine Spuckmaske (auch „Spuckschutz“) ist ein Netz oder eine Haube, die über den Kopf gezogen wird, um Beamte vor Spucken zu schützen. Sie ist kein medizinisches Produkt.
Medizinisch problematisch wird sie, wenn die betroffene Person in Panik gerät oder unter Atemnot leidet: Sie kann dann zu Hyperventilation und Sauerstoffmangel (Hypoxie) führen – besonders wenn die Person gleichzeitig fixiert und mit dem Gesicht nach unten transportiert wird.
Das bedeutet: Der Herzstillstand wurde laut Krankenhaus durch die Fixierungsmaßnahmen verursacht.
Quelle: Krankenhausbericht (zitiert in Zeugenberichten)Laut vorliegenden Informationen wurde Midazolam nasal verabreicht – ein Beruhigungsmittel aus der Benzodiazepingruppe.
Das wirft ernsthafte Fragen über die medizinische Fürsorge während des Einsatzes auf.
Das ist ein häufig gehörtes Argument. Aber: „Den Job machen“ bedeutet, die geltenden Regeln und Sorgfaltspflichten einzuhalten – und genau das ist hier fraglich.
Konkrete Punkte, die nicht dem Standard entsprechen:
- Lucas und Leonie, die nahe Freunde und Erstsprachler, wurden nicht in die Deeskalation einbezogen, obwohl sie anwesend waren und Pedro nach ihnen rief.
- Pedro wurde mit dem Gesicht nach unten und mit Spuckmaske getragen – eine Haltung, die bei fixierten Personen lebensbedrohlich sein kann.
- Es dauerte nach dem Herzstillstand noch ca. zwei weitere Minuten, bis die Fixierungsmittel gelöst wurden.
- Das Krankenhaus stellt direkt einen Zusammenhang zwischen Fixierungsmaßnahmen und dem Herzstillstand her.
Widerstand bei einer psychischen Krise und einem erzwungenen Polizeieinsatz ist kein Beweis für Gefährlichkeit – sondern eine verständliche Reaktion einer verängstigten Person, die Hilfe ablehnt und Angst hat.
Polizeibeamte sind in Schutzausrüstung ausgebildet und ausgerüstet, um mit solchen Situationen umzugehen – ohne dass die betroffene Person dabei sterben muss. Das ist der entscheidende Maßstab.
Dass Pedro Widerstand leistete, erklärt nicht, warum er mit einem Herzstillstand und massiven Quetschungen aus der Wohnung getragen wurde.
Lucas und Leonie sind Pedros enge Freunde. Sie sprechen seine Muttersprache und hätten ihn beruhigen und mit ihm kommunizieren können. Zeugen berichten, dass Pedro während des Einsatzes wiederholt nach Lucas rief und um Hilfe schrie.
Trotzdem wurden beide von der Polizei nicht hineingelassen. Das ist eine folgenschwere Entscheidung, die niemand bisher öffentlich begründet hat.
Deeskalation – das Einbeziehen von Vertrauenspersonen – ist ein anerkanntes Mittel im Umgang mit psychischen Krisen. Es wurde hier nicht angewandt.
Ein Nachbar, der nicht namentlich genannt werden möchte, beobachtete, wie Pedro nach dem Einsatz auf einer Liege vor dem Haus lag – und wie sich niemand um ihn kümmerte.
Die Staatsanwaltschaft behauptet in ihrer Erklärung, Pedro sei draußen befragt worden, ob er ausreichend Luft bekomme. Die Schilderung des Nachbarn steht dazu in deutlichem Widerspruch.
Quelle: WDR-Videobericht, Juni 2026Laut dem Entlassungsbericht der Uniklinik musste Pedro 23 Minuten lang reanimiert werden – erst nachdem die Polizei ihn am Krankenwagen übergeben hatte.
23 Minuten Reanimation bedeuten einen massiven, lang andauernden Sauerstoffmangel im Gehirn. Der daraus resultierende hypoxische Hirnschaden ist entsprechend schwer.
Quelle: Interview mit Initiative Justice for Pedro, Perspektive Online (Mai 2026)Als Pedro reanimationspflichtig war, dauerte es noch einmal rund zwei Minuten, bis die Fixierung gelöst wurde – weil zunächst die Schlüssel gesucht werden mussten.
Zwei Minuten ohne Sauerstoffzufuhr bei einem bereits bestehenden Herzstillstand können irreversible Hirnschäden verursachen oder stark vertiefen.
Quelle: Interview mit Initiative Justice for Pedro, Perspektive Online (Mai 2026)In der ersten Pressemitteilung der Kölner Polizei vom 9. April hieß es, Pedro habe „schließlich das Bewusstsein verloren“ – eine Formulierung, die einen natürlichen Zusammenbruch suggeriert.
Anwalt Simon Barrera-Gonzalez bezeichnete diese Darstellung als „Riesenskandal“ und erklärte, die Schilderung sei „nach der Darstellung der Ärzte absolut nicht realistisch“.
Der Krankenhausbericht stellt direkt einen Zusammenhang zwischen den Fixierungsmaßnahmen und dem Herzstillstand her. Die erste Polizeipressemitteilung ließ diesen Zusammenhang vollständig aus.
Quelle: Pressekritik Initiative Justice for Pedro (2026); Anwalt Simon Barrera-GonzalezPedros Anwalt Simon Barrera-Gonzalez bewertet die Kombination aus Midazolam (Beruhigungsmittel) und Spuckmaske als rechtlich und medizinisch inakzeptabel:
Das Beruhigungsmittel Midazolam kann die Atemmuskulatur lähmen. Wird gleichzeitig eine Spuckmaske getragen und die Person in Bauchlage fixiert, ist das Risiko eines Atemstillstands extrem hoch – das ist medizinisch bekannt und dokumentiert.
Quelle: WDR-Videobericht, Juni 2026Nein. Am 8. Juni 2026 – genau zwei Monate nach dem Einsatz – teilte die Staatsanwaltschaft der Familie mit, dass kein Ermittlungsverfahren eröffnet wird.
Ein Anwalt, der den Fall öffentlich kommentiert hat, sprach von „massiver Gewalt“ bei dem Einsatz. Die Familie und Unterstützer*innen fordern eine unabhängige Aufarbeitung.
Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, Mai 2026; ZeugenberichteZwei Monate lang blieben alle Anfragen der Familie an die Staatsanwaltschaft unbeantwortet. Als die Entscheidung, nicht zu ermitteln, schließlich kommuniziert wurde, geschah das zuerst gegenüber der Presse.
Das bedeutet: Die Familie erfuhr aus der Zeitung, dass es keine Ermittlungen geben wird – bevor sie offiziell benachrichtigt wurde.
Das ist nicht nur eine Frage des Mitgefühls, sondern auch eine rechtliche und ethische Frage: Opfer und Angehörige haben ein Recht auf Information und Gehör.
Das Krankenhaus benennt die Fixierungsmaßnahmen der Polizei als wahrscheinlichste Ursache für den Herzstillstand und den daraus resultierenden Hirnschaden. Dieses Dokument wird in den Erklärungen von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht erwähnt.
Eine Unterbringung nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) setzt in der Regel eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung sowie eine fehlende Einsichtsfähigkeit voraus. Verwirrtheit allein reicht dafür nicht aus.
Offen geblieben ist bis heute:
- Wer hat die Diagnose gestellt – und auf welcher fachlichen Grundlage?
- Hatte die Notärztin psychiatrische Fachkenntnisse?
- Wurde ein richterlicher Beschluss eingeholt – und wenn ja: wann und von wem?
- Wurden mildere Mittel geprüft, z. B. freiwillige Mitnahme oder Deeskalation durch Bezugspersonen?
- Wurde Pedro über seine Rechte aufgeklärt?
Die Kölner Polizei veröffentlichte bereits am 9. April 2026 – einen Tag nach dem Einsatz – eine Pressemitteilung. Pedro lag zu diesem Zeitpunkt gerade erst im Koma. Ermittlungen liefen noch nicht.
In dieser frühen Mitteilung fehlten: die Dauer der Reanimation (23 Minuten), die Bauchlage, die Spuckmaske, die Anzahl der beteiligten Beamten und der spätere Krankenhausbefund. Stattdessen wurde Pedro als aggressiv dargestellt und sein „plötzlicher Bewusstseinsverlust“ beschrieben.
Die Initiative Justice for Pedro und der Anwalt kritisieren, dass diese frühe einseitige Kommunikation der Polizei die öffentliche Meinung zugunsten der Beamten geformt hat – noch bevor unabhängige Fakten bekannt waren.
Quelle: Pressekritik Initiative Justice for Pedro (2026)Anwalt Simon Barrera-Gonzalez hat auf einen möglichen Zusammenhang mit rassistischen Strukturen im Umgang mit schwarzen Menschen hingewiesen. Die Staatsanwaltschaft wies diesen Vorwurf zurück: Es sei „nicht ansatzweise nachvollziehbar“, worauf diese Deutung beruhe.
Unabhängig davon ist die Frage nach strukturellem Rassismus berechtigt: Pedro kam aus Venezuela, ist schwarz, hatte keinen deutschen Pass. Vergleichsfälle wie Ibrahima Bari zeigen, dass schwarze Menschen in Deutschland statistisch häufiger Opfer von Polizeigewalt werden.
Quelle: Pressekritik Initiative Justice for Pedro (2026); Anwalt Simon Barrera-GonzalezPedros Freunde und Familie fordern lückenlose Aufklärung darüber, was am 8. April in seiner Wohnung passiert ist. Sie akzeptieren die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, nicht zu ermitteln, nicht.
Beide Aussagen stammen aus dem Freundeskreis und wurden in einem TV-Bericht dokumentiert.
Quelle: WDR-Videobericht, Juni 2026Die Staatsanwaltschaft Köln erklärte zunächst, es gebe keine konkreten Anhaltspunkte für übermäßige rechtswidrige Polizeigewalt – und berief sich dabei auf Bodycam-Aufnahmen der Polizei.
Bodycam-Aufnahmen, die ausschließlich von der Polizei selbst bewertet werden, ohne unabhängige Überprüfung, sind kein ausreichender Beweis. Weder Pedros Familie noch sein Anwalt hatten bisher Zugang zu diesen Aufnahmen.
Quelle: WDR/Westpol, Juni 2026Nein. Zu dem Zeitpunkt, als die Staatsanwaltschaft ihre Entscheidung an die Presse gab, waren weder Pedros Mutter noch seine Freunde noch sein Partner befragt worden.
Ohne Ermittlungen gibt es keine Akteneinsicht – und ohne Akteneinsicht kann man nie erfahren, was wirklich passiert ist. Die Initiative und der Anwalt fordern daher eine unabhängige Aufarbeitung.
Quelle: Interview mit Initiative Justice for Pedro, Perspektive Online (Mai 2026)Ja. Die Initiative Justice for Pedro benennt konkrete Parallelen zu einem Fall in Dublin sowie einem tödlich endenden Fall in Baden-Württemberg. In allen drei Fällen hieß es offiziell zunächst, die Person sei aggressiv und kaum zu bändigen gewesen – und dann wurde sie plötzlich reanimationspflichtig.
Das zeigt: Aufklärung hängt oft nicht von der Schwere der Tat ab, sondern davon, ob es Beweismaterial gibt – und ob die Öffentlichkeit Druck macht. Im Fall Pedro fehlt beides bisher.
Quelle: Interview mit Initiative Justice for Pedro, Perspektive Online (Mai 2026)Die Initiative setzt sich für Aufklärung im Fall Pedro ein und benennt drei zentrale Forderungen:
- Aufklärung, was wirklich passiert ist – unabhängig von der Darstellung von Polizei und Staatsanwaltschaft.
- Verantwortungsübernahme durch die Beteiligten – bisher wird alles zurückgewiesen.
- Strukturelle Konsequenzen: mehr psychiatrische Krisenintervention ohne Polizei, bessere Versorgung vor dem Eskalationspunkt.
Darüber hinaus betont die Initiative, dass Pedro kein Einzelfall ist, und fordert fallübergreifende Solidarität mit allen Betroffenen von Polizeigewalt.
Quelle: Interview mit Initiative Justice for Pedro, Perspektive Online (Mai 2026)Ibrahima Bari starb vor über zwei Jahren nach einem Polizeieinsatz in NRW unter sehr ähnlichen Umständen: Fixierung in Bauchlage, psychische Ausnahmesituation, Tod durch Sauerstoffmangel.
WDR/Westpol stellt beide Fälle nebeneinander und berichtet: Obwohl die Beamten laut Innenminister Reul extra zu diesem Thema geschult worden sind, lief der Einsatz gegen Pedro Anfang April 2026 ähnlich ab wie der gegen Ibrahima Bari.
Das bedeutet: Selbst nach einer gezielten Schulung zu Todesfällen durch Bauchlage-Fixierung wiederholten sich dieselben Fehler. Das ist kein Einzelversagen – das ist ein Systemversagen.
Seit April 2026 läuft vor dem Landgericht Duisburg der Prozess im Fall Ibrahima Bari.
Quelle: WDR/Westpol, Juni 2026WDR/Westpol fragte Innenminister Herbert Reul, ob aus Fällen wie dem von Pedro Corona und Ibrahima Bari Rückschlüsse auf die Polizeiarbeit insgesamt gezogen werden sollten.
Der WDR-Reporter entgegnete:
Der Fall Pedro ist kein Einzelfall. Kurz zuvor starb Ibrahima Bari nach einem ähnlichen Polizeieinsatz. Seit April 2026 läuft der Prozess vor dem Landgericht Duisburg. Reuls Argumentation – Einzelfälle statt Strukturproblem – wird von Expertinnen und Aktivisten scharf kritisiert.
Quelle: WDR/Westpol, Juni 2026Die Initiative Justice for Pedro fordert auf mehreren Ebenen Konsequenzen – für den konkreten Fall und strukturell:
- Unabhängige Ermittlungen – kein polizeiinternes Verfahren, sondern eine externe, transparente Aufarbeitung
- Akteneinsicht und Informationsrecht für Familie, Partner und Anwalt
- Politische Befassung durch Kölner Stadtgremien: Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden; Sozial-, Gesundheits- und Wohnungsausschuss; Integrationsrat
- Schriftliche Stellungnahme der Verwaltung zum Fall
- Klärung struktureller Mängel: Krisenintervention ohne Polizei, Deeskalation, Schutz vulnerabler Menschen
- Beteiligung Betroffener und ihrer Organisationen an Lösungen
Der Kern der Forderung lautet: Dieser Fall darf nicht als Einzelfall abgehakt werden – er ist ein Hinweis auf systemische Probleme in Köln.
Weil die Staatsanwaltschaft nicht ermittelt, bleibt der Fall nicht einfach in einem laufenden Verfahren. Er landet im politischen Raum – und das ist richtig so.
Fragen, die politisch beantwortet werden müssen:
- Gibt es in Köln ausreichende Kriseninterventionsangebote ohne Polizeibeteiligung?
- Wie wird sichergestellt, dass Zwangsmaßnahmen medizinisch überwacht werden?
- Wer trägt Verantwortung, wenn mehrere Behörden beteiligt sind und niemand zuständig zu sein scheint?
- Wie wird Transparenz über solche Vorfälle gegenüber der Öffentlichkeit hergestellt?
Eine Mailaktion der Initiative wandte sich gezielt an folgende Stellen der Stadt Köln:
- Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden – zuständig für Eingaben nach § 24 GO NRW
- Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Wohnen – zuständig für Versorgungsfragen und Krisenintervention
- Integrationsrat Köln – relevant wegen Pedros Herkunft und der Frage nach diskriminierungsfreiem Zugang zu Gesundheitsversorgung
- Ratsfraktionen – können Anfragen an die Verwaltung stellen
- Oberbürgermeisterin und Stadtspitze – für politische Verantwortungsübernahme
Bürger*innen können nach § 24 GO NRW Anregungen und Beschwerden an den Rat der Stadt Köln einreichen. Das ist ein Recht – keine Gnade.
Der Fall Pedro zeigt mehrere strukturelle Versorgungslücken auf, die weit über diesen Einzelfall hinausgehen:
- Fehlende psychiatrische Krisenintervention ohne Polizei: In Köln wie in vielen deutschen Städten gibt es kein flächendeckendes Angebot, das psychische Krisen ohne Polizeibeteiligung auffängt.
- Kommunikationsbarrieren: Pedro sprach vor allem Spanisch. Sprachliche und kulturelle Barrieren erschwerten die Kommunikation im Einsatz erheblich – seine Vertrauenspersonen wurden nicht einbezogen.
- Unklare Zuständigkeiten: Wer ist verantwortlich, wenn Feuerwehr, Notärztin, Polizei und Staatsanwaltschaft alle beteiligt sind und am Ende niemand Verantwortung übernimmt?
- Fehlende Transparenz: Es gibt keine systematische öffentliche Berichterstattung über Einsätze mit schwerwiegenden Folgen.
- Schutz vulnerabler Menschen: Menschen in psychischen Krisen, Menschen mit Migrationsgeschichte und Menschen ohne starke soziale Netzwerke sind besonders gefährdet – und besonders schlecht geschützt.
Ja – und das ist keine neue Erkenntnis. Der sogenannte lagebedingte Erstickungstod (LET) ist in der polizeiwissenschaftlichen und medizinischen Literatur seit Jahren dokumentiert.
- Feltes & Mallach: Der lagebedingte Erstickungstod. Ein bekanntes, aber unterschätztes Problem. In: Polizei & Wissenschaft, 3/2024 – verfasst vom renommiertesten Polizeiforscher Deutschlands. Fazit: Die Gefahr ist bekannt, wird aber ignoriert.
- Derselbe Befund findet sich im offiziellen Ausbildungshandbuch für Polizei (Springer-Verlag, 2021).
- PubMed Central / NIH: Bauchlage bei sedierten oder fixierten Personen ist medizinisch ein Hochrisikoprotokoll – in der Intensivmedizin nur unter kontinuierlicher Überwachung zulässig.
Die eigene psychiatrische Fachgesellschaft hat klare Standards gesetzt:
- DGPPN S3-Leitlinie (2018): Verhinderung von Zwang – Prävention und Therapie aggressiven Verhaltens bei Erwachsenen. Fixierung ist das allerletzte Mittel, mit klar definierten Voraussetzungen. Wenn diese nicht eingehalten wurden, liegt eine Leitlinienverletzung vor – dokumentiert von der eigenen Fachgesellschaft.
- Zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer (2013): Jede Zwangsmaßnahme ist ein schwerwiegender Eingriff, der besonderer Rechtfertigung bedarf.
- Charité Berlin: Studienergebnis: „Es gibt keine hinreichenden Beweise für die Effektivität von Fixierungen und Zwangsmaßnahmen.“
Im Fall Pedro wurde Fixierung nicht als letztes Mittel eingesetzt – die Freunde, die ihn hätten beruhigen können, wurden weggeschickt, bevor überhaupt deeskaliert wurde.
Quelle: DGPPN S3-Leitlinie, 2018 (PDF); Zentrale Ethikkommission, 2013 (PDF)Nein – und das stellt das Parlament selbst fest.
- Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste (2022): Deutschland hat im EU-Vergleich keine funktionierende unabhängige Polizeikontrolle.
- Eric Töpfer & Tobias Peter (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2017): Was kann Deutschland von anderen europäischen Staaten lernen? – Kostenlos beim DIMR
- Amnesty International Deutschland (2023): Stellungnahme zu unabhängigen Polizeibeauftragten – amnesty.de
Das Muster – Polizeigewalt, dann Schutz durch die Staatsanwaltschaft, dann jahrelange Straflosigkeit – ist dokumentiert:
- Fall Oury Jalloh (Dessau, 2005): Ein Mann stirbt gefesselt in einer Polizeizelle. Ermittlungen werden jahrelang eingestellt. Ein parlamentarischer Untersuchungsbericht belegt 2020 Rechtsbrüche der Polizei und Lügen gegenüber dem Parlament. → taz.de
- Fall Ibrahima Bari (NRW, 2022): Ähnlicher Ablauf wie bei Pedro. Seit April 2026 läuft der Prozess vor dem Landgericht Duisburg. Die Beamten waren vorher extra zu Fixierungsrisiken geschult worden.
- Dublin-Fall: Nur weil es ein Video gab, kam es zu einer öffentlichen Aufklärungskampagne.
Wissenschaft (kostenlos):
- Hunold/Singelnstein: Rassismus in der Polizei – über 700 Seiten, Open Access, Springer 2022
- Aktion Psychisch Kranke: Gewalt und Zwang in der stationären Psychiatrie (PDF, kostenlos)
- DIMR: Rassismus in der Strafverfolgung (PDF, kostenlos)
Anlaufstellen:
- KOP Berlin – Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt
- Initiative in Gedenken an Oury Jalloh
- Prozess.report – Rassismus & Justiz
- Deutsches Institut für Menschenrechte
- Amnesty International Deutschland: Polizei & Menschenrechte
Zum Weiterlesen: Jan Keuchel & Christina Zühlke: Tatort Polizei (C.H. Beck, 2021) – gut zugänglich, investigativ. Oliver von Dobrowolski: „Ich kämpfe für eine bessere Polizei“ (S. Fischer, 2022) – geschrieben von einem Kriminalhauptkommissar.
Ja – auf mehreren Ebenen.
- Wäre eine psychiatrische Krisenintervention ohne Polizei verfügbar gewesen, hätte es gar keinen Polizeieinsatz gebraucht.
- Hätten Lucas und Leonie als Vertrauenspersonen einbezogen werden dürfen, hätte sich die Situation möglicherweise deeskaliert.
- Hätten die Beamten die Fixierungssituation medizinisch überwacht, wäre der Herzstillstand möglicherweise früher erkannt worden.
Pedro wollte schlicht allein sein. Er hatte niemanden angegriffen. Er brauchte kein Handeln der Polizei – er brauchte Ruhe und ggf. psychiatrische Begleitung.
Leider nein. Der sogenannte „Lagebedingte Erstickungstod“ (LET) bei Polizeimaßnahmen ist in der Fachliteratur beschrieben. Er kann entstehen, wenn fixierte Personen in Bauchlage gehalten werden, die Atemmuskulatur dabei eingeschränkt ist und Stress die Sauerstoffversorgung weiter verschlechtert.
Sowohl in Deutschland als auch international gibt es dokumentierte Fälle von Todesfällen oder schweren Hirnschäden nach Polizeifixierungen, insbesondere bei Menschen in psychischen Ausnahmezuständen.
Das macht den Fall Pedro nicht weniger tragisch – aber es zeigt: Es braucht strukturelle Veränderungen in der Ausbildung, im Einsatzprotokoll und in der Aufklärungspflicht.
Quelle: Feltes/Mallach, „Der Lagebedingte Erstickungstod (LET)“, 2022- Informiere dich und teile diese Seite.
- Unterschreibe Petitionen und Offene Briefe für eine unabhängige Aufarbeitung.
- Sprich mit Freunden, Familie und Nachbarn über den Fall – sachlich und auf Grundlage der Fakten.
- Unterstütze Initiativen, die sich für psychiatrische Krisenintervention ohne Polizei einsetzen.
- Fordere von deinen lokalen Abgeordneten Antworten: Wie wird Polizeigewalt in NRW aufgearbeitet?
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