Rechtsanwalt Simon Barreda Gonzales wertet die 260-seitige Akte der Staatsanwaltschaft aus. Der Bericht dokumentiert den Polizeieinsatz vom 8. April in der Wohnung von Pedro Corona in Köln-Deutz. Pedro wurde im Rahmen einer psychischen Ausnahmeers priorisiert, die Rettungsärztin hatte Warnvorstellung diagnostiziert, möglicherweise drogeninduziert. Als Pedro die Klinik verweigerte, wurde die Polizei hinzugezogen.
Im Wohnungsverlauf eskalierte die Situation: Pedro wurde rücklings in die Ecke gedrängt, panisch. Beamte brachten ihn zu Boden, fesselten ihn in Bauchlage. Im weiteren Verlauf wurde zwangsweise ein starkes Betäubungsmittel nasal verabreicht. Anschließend wurden ihm zwei Spuckhauben übereinander übergezogen — der Anwalt spricht von einem „noch viel höheren Erstickungsrisiko.“
Nach gut einer Stunde wurde Pedro in Bauchlage auf eine Rettungsliege verbracht und dort fixiert. Auf der Liege kolabierte er — vermutlich Sauerstoffmangel unter der gebündelten Fixierung.
Pedro liegt seit dem 8. April im Koma mit schweren Hirnschäden.
Kernvorwürfe gegen Polizei & Rettungsdienst
- Fixierung in Bauchlage für ca. 1 Stunde ohne sichtbare Vitalkontrolle
- Zweifache Spuckhaube übereinander → massiv erhöhtes Erstickungsrisiko
- Nasales Betäubungsmittel unter beengten Verhältnissen
- Keine frühzeitige Reaktion auf sichtbare Verschlechterung des Zustands
- Fixierung auf der Rettungsliege in Bauchlage → Kolaps
Offene Fragen
- War die Fixierungsart und -dauer rechtens und verhältnismäßig?
- Wer trug Gesamtverantwortung für die medizinische Überwachung?
- Warum wurden zwei Spuckhauben übereinander angezogen?
- Kam es im Vorfeld der Fixierung zu einer mangelhaften Gefährdungsprüfung?
Forderung
Rechtsanwalt Gonzales fordert eine umfassende, unabhängige Aufarbeitung der Ereignisse vom 8. April — auch um daraus für künftige Einsätze zu lernen.