Wichtig: Wir sind keine Ermittlungsbehörde. Doch solange es offenbar keine Ermittlungen gibt, bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als selbst Öffentlichkeit herzustellen, Informationen zu sammeln und Fragen zu stellen.
Pedro befand sich in einer akuten Belastungssituation. Er dachte, jemand sei bei ihm eingebrochen, war verunsichert und hatte das Gefühl, Menschen würden schlecht über ihn sprechen. Trotzdem war er in seiner Kommunikation sortiert und höflich.
Im Verlauf von etwa 2,5 Stunden äußerte er mehrfach den Wunsch, alleine in seiner Wohnung zu sein. Mehrere Menschen vor Ort berichten übereinstimmend, dass Pedro respektvoll und friedlich war; er stellte außerdem keine akute Gefahr für andere dar.
Sanitäter waren vor Ort. Pedro wollte nicht mit in die Klinik gehen. Die daraufhin hinzugerufene Notärztin bestätigte, dass es keine Möglichkeit gibt, Pedro gegen seinen Willen mitzunehmen. Er bestand weder Fremd- noch Eigengefährdung.
Zeugen (wir nennen sie Lucas & Leonie) und die per Videocall zugeschaltete Mutter sagten uns, dass Pedro insgesamt über 2,5 h lang höflich und sortiert geantwortet hat, obwohl man ihm immer wieder unterstellte, er habe an diesem Tag illegale Drogen genommen; obwohl Pedro über diesen Zeitraum wiederholt darum gebeten hat, dass er in Ruhe gelassen werden will und man seine Wohnung verlassen solle.
Die Situation eskalierte schließlich an der Türschwelle seiner Wohnung. Pedro schubste er einen besorgten Freund genervt aus seinem Türrahmen und knallte die Tür zu.
Zu dem Zeitpunkt verließen alle Beteiligten die Wohnung; laut Notärztin gab es keinen Grund für eine Zwangseinweisung. Der besorgte Freund Lucas war die letzte Person, die die Wohnung verließ. Pedro wiederholte zuvor über Stunden, dass er alleine sein möchte.
Dieses Schubsen wurde anschließend als Rechtfertigung genutzt, um eine Zwangseinweisung durchzusetzen.
Darauf folgte ein ungefähr 90 Minuten dauernder Polizeieinsatz.
Die beiden guten Freunde Lucas und Leonie, die bis dahin bei Pedro gewesen waren, wurden aus der Wohnung verwiesen und durften nicht mehr als deeskalierende Vertrauenspersonen anwesend sein. Alle drei sprechen Spanisch miteinander. Auch während Sanitäter und Notärztin vor Ort waren, lief ein großer Teil der Kommunikation auf Spanisch. Mit dem Ausschluss der Freunde wurden Pedro damit faktisch seine wichtigsten Bezugspersonen und Muttersprachler aus der Situation genommen — in einem psychischen Ausnahmezustand ein gravierender Einschnitt für Kommunikation, Orientierung und Beruhigung.
Es folgten etwa 90 Minuten, in denen Pedro laut Zeugenaussagen auch um sein Leben schrie.
Besonders erschütternd war für die Anwesenden, dass Pedro dabei immer wieder in Todesangst „Lucas, Hilfe! Lucas, hilf mir!“ rief, nach während Lucas von der Straße aus alles mithören musste, ohne zu ihm gelassen zu werden.
Als die Polizei nach ungefähr 90 Minuten Pedro schließlich nach unten trug, war er laut Zeugenaussagen weiterhin fixiert, lag in Bauchlage und trug eine Spuckschutzhaube. Lucas, Leonie und der inzwischen herbeigeeilte Partner berichten, dass Pedro zu diesem Zeitpunkt bereits blau/grau am Körper gewesen sei. Dies fiel der Polizei offenbar nicht auf. Andere mussten die Einsatzkräfte darauf aufmerksam machen.
Daraufhin wollten Rettungskräfte mit der Reanimation beginnen. Nach Aussagen der Zeug*innen dauerte es jedoch noch ungefähr zwei weitere Minuten, bis die Fixierung gelöst werden konnte, weil zunächst der Schlüssel beschafft werden musste.
Anschließend wurde er laut Klinikbericht 23 Minuten lang reanimiert. In der Uniklinik kämpfte man noch knapp zwei Wochen um sein Leben. Bis heute liegt er im Koma.
Noch bevor unabhängige Aufklärung stattfinden konnte, übernahmen zahlreiche Medien nahezu wortgleich die Aussagen der Polizei. Es wurde berichtet, Pedro sei „fremdaggressiv“ gewesen und habe eine erhebliche Gefahr dargestellt.
Viele zentrale Informationen fehlen dabei jedoch vollständig:
- dass die Freunde anfangs nicht sicher waren, ob er an diesem Tag medizinische Hilfe braucht oder ob man am nächsten Tag gemeinsam zum Arzt geht und es dort abchecken lässt
- dass Pedro über Stunden friedlich und sortiert war
- dass man ihn über 2,5 h immer und immer wieder fragte ob er an diesem Tag Drogen genommen hat, und er immer und immer wieder höflich mit „nein “ antwortete
- dass weder Sanitäter noch Notärztin einen Grund für eine Zwangseinweisung sahen und daher gehen wollten
- dass Pedro mehrfach den Wunsch äußerte, alle Menschen sollen seine Wohnung verlassen und dass er in Ruhe gelassen werden will
- dass die „Fremdgefährdung, auch seinen Freunden gegenüber“ daraus bestand, dass er alleine in seiner abgeschlossenen Wohnung war und seine Ruhe haben wollte
Zusätzlich wurde öffentlich der Eindruck erzeugt, Pedro habe am selben Tag illegale Drogen konsumiert und sei dadurch gefährlich oder unzurechnungsfähig gewesen.
Dabei stützt das toxikologische Gutachten nach jetzigem Stand die Aussage von Pedro, dass er an diesem Tag keine illegalen Drogen konsumiert habe.
Trotzdem wurde früh öffentlich ein Narrativ verbreitet, das psychische Krise, angeblichen Drogenrausch und Gefährlichkeit miteinander verknüpft — noch bevor Ermittlungen, Zeugenaussagen oder vollständige medizinische Einschätzungen vorlagen.
Die Staatsanwaltschaft sieht trotz all dem keinen Anfangsverdacht; dabei wurden nichtmal die anwesenden Freunde und die per Videocall zugeschaltete Mutter befragt. Ohne Anfangsverdacht gibt es keine Ermittlungen.
Stattdessen verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit ein Bild eines „gefährlichen psychisch Kranken“, das viele Menschen als entmenschlichend, stigmatisierend und politisch gefährlich empfinden. Und das besonders im Fall Pedro absolut nicht der Wahrheit entspricht.